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Neuer Fastenprediger Daniel Weber nimmt beim Starkbieranstich der CSU kein Blatt vor den Mund

Mit Daniel Weber als neuen Fastenprediger sorgte die Zwieseler CSU beim traditionellen Starkbieranstich für eine große Überraschung. Im vollständig ausverkauften Eiskeller der 1. Dampfbierbrauerei wurde die Landkreis- und Stadtprominenz derbleckt. Für die Musik sorgte die junge Volksmusikkapelle „Quetschnblech“, die 2018 den Zwieseler Fink gewonnen hatte.
Rasch füllte sich der Eiskeller am Samstagabend, als um 18 Uhr die Türen des Schalanders geöffnet wurden. Mit großer Spannung warteten die 200 Gäste darauf, wer künftig den Zwieselern die Leviten lesen wird. Die CSU hatte das Geheimnis bis zum Schluss gut gehütet. Als wenig später dann die junge Volksmusikgruppe „Quetschnblech“ aus Vilsbiburg aufspielte, war die Spannung im wohltemperierten Eiskeller fast greifbar. Doch so weit war es noch nicht. Quetschnblech demonstrierte erst einmal, dass Volksmusik keineswegs altertümlich, sondern absolut lebendig ist. Die Stimmung stieg mit dem süffigen Silvator-Starkbier schnell.

 Nach einigen Musikstücken trat der CSU-Ortsvorsitzende Alexander Hannes ans Rednerpult. Erste Spekulationen, dass der junge CSU-Chef der neue Prediger sein könnte, machten die Runde. Hannes eröffnete den Starkbieranstich und begrüßte eine Reihe von Ehrengästen, darunter die Brauerei-Familie Mark und Elisabeth Pfeffer sowie die Kreisräte Dr. Stefan Ebner, Edwin Schedlbauer und Harald Haase. Auch die Stadträte Walter Unnasch, Josef Leher, Hans-Peter Marx, Josef Süß und Dr. Elisabeth Zettner sowie der Leiter der Polizeiinspektion Zwiesel, Till Hauptmann, waren in den Eiskeller gekommen. Hannes nutzte die Möglichkeit, dem ebenfalls anwesenden Landtagsabgeordneten Max Gibis für seinen Einsatz für das neu zu gründende Grundsteueramt zu danken. „Wir wollen das Grundsteueramt in Zwiesel. Unsere Stadt ist dafür der beste Standort“, rief der 27-Jährige den Lokalpolitikern zu und stellte klar: „Der Raum Zwiesel beginnt in Zwiesel.“ Mit einem frenetischen Applaus wurde auch der „Homo politicus“, Zwiesels früherer Fastenprediger Hans Stettner, unter den Ehrengästen begrüßt.
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Für exzellente Stimmung sorgte die Kapelle „Quetschnblech“, die 2018 den Zwieseler Fink gewonnen hatten, mit junger Volksmusik. – Foto: Tobias Hartl

Hannes feuerte sodann die Stimmung nochmal auf den Höhepunkt des Abends an. Nach einigen Jahren mit auswärtigen Predigern sei es der CSU gelungen, einen „echten Zwieseler mit spitzer Zunge und messerscharfer Analyse zu finden.“ „Freuen Sie sich heute auf diese Weltpremiere!“, kündigte er diesen sichtlich erfreut an und ermahnte dabei die anwesende Prominenz augenzwinkernd: „Für alle gilt: Auch das Derbleckwerden muss man sich erst einmal erarbeitet haben.“
Anschließend rief Hannes noch alle Anwesenden auf, am 15. März ihr Wahlrecht zu nutzen. „Wir brauchen keine Hitzköpfe, sondern Leute, die innerlich für unsere Heimat brennen“. Dafür zähle jede Stimme. Informationen zum hauseigenen Starkbier „Silvator“ lieferte dann Brauereichefin und 2. Bürgermeisterin Elisabeth Pfeffer, bevor es zum traditionellen Anzapfen durch den CSU-Kreisvorsitzenden Dr. Stefan Ebner ging: Nach nur vier Schlägen hieß es „O’zapft is!“ und der süffige Silvator floss.
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CSU-Ortsvorsitzender Alexander Hannes eröffnete den Starkbieranstich. – Foto: Tobias Hartl

Ganz still wurde es dann, als das Licht im Eiskeller nach einigen Musikstücken gedimmt wurde und die Blaskapelle mit dem Kirchenlied „Erde, singe“ auf die bevorstehende Fastenpredigt einstimmte. Die Akustik des Eiskellers unterstrich dabei die kirchliche Atmosphäre und gespannt blickten die Zuschauer zum Haupteingang, als dort plötzlich rund 15 schwarz gekleidete Männer und Frauen einzogen. Diese mit schwarzen Flügeln und einem CSU-Kopfschmuck Gekleideten stellten sich letztlich als die CSU-Stadtratskandidaten heraus, die beinahe schon andächtig bis mystisch mit Wunderkerzen Richtung Bühne herabschritten. Allen voran befand sich Karl Stangl, ein Zwieseler Urgewächs, der von vielen als der neue, bis zum Tag des Starkbieranstichs geheim gehaltene Fastenprediger vermutet wurde. Doch es sollte anders kommen: Der 28-jährige JU-Ortsvorsitzende Daniel Weber hastete schimpfend und sichtlich abgehetzt Richtung Bühne und sprang ans Rednerpult: „Mit dieser Scheiß Verkehrsführung kimmst sogar zur Premiere zu spät!“, polterte der sichtlich errötete Fastenprediger ins Mikrofon. Mit großem Applaus empfing der bis auf den letzten Platz ausverkaufte Eiskeller den Zwieseler, der in einer Mönchskutte mit einem unübersehbar großen Glaskreuz die „schwarzen CSU-Engerl“ wohl doch eher als „schwarze Teufelchen“ sah.

starkbier 3Einzug der „schwarzen Engel“ mit Walter Unnasch (v.r.), Florian Eckert, Andrea Mertens und Josef Leher – Foto: Tobias Hartl

 

 

 

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Die „schwarzen Engel“, angeführt von Karl Stangl (rechts am Mikrophon), suchen den neuen Fastenprediger. - Foto: Tobias Hartl

Zog Weber anfangs über das Corona-Virus her sowie die Landtawahl in Thüringen, musste sich auch der anwesende Landtagsabgeordnete Max Gibis so mancherlei Kritik anhören. „Do kann se de CSU noch so sehr mid am grünen Farbkübel überschütten“, witzelte Daniel Weber und fügte hinzu: „Mei Opa hod immer gsogt, wos grün is, is naned zeidig. Aber wos schwarz is, is scha lang verdorben!“ Und auch die Frauen im Landkreis Regen bekamen sprichwörtlich ihr Fett weg. So „lobte“ der Zwieseler Fastenprediger etwa, dass die Landrätin Rita Röhrl trotz Alterssperre für den Kreistag kandidiert, was er mit Jesus verglich, der auch nicht einfach vom Kreuz „heruntergesprungen“ sei. Für heftige Lacher sorgte Josefa Schmidts Annonce, mit der sie Millionäre nach Kollnburg locken wollte. „Es gab scha interessierte Millionäre, aber dann ham de glesn, dass de Bürgermeisterin na ledig is – und des Risiko war erna einfach zu groß.“ Das Hauptaugenmerk lag natürlich auf den Zwieseler Stadtratswahlen, bei denen Weber zunehmend emotionaler und deutlicher in seiner Predigt wurde. Den Stadtplatz bezeichnete er als „Trauerspiel“, dem „Gekritzle“ auf den Straßen erteilte er eine deutliche Absage und wegen der vielen Leerstände, die von der Arberland Regio GmbH als Werbefläche genutzt werden, bescheinigte Daniel Weber Zwiesel das Prädikat als „Werbestadt“. Später revidierte der junge Fastenprediger diesen Titel und rief Zwiesel als Beamtenstadt aus, mit Blick auf die hunderten von Finanzamtsstellen. „Wia soesd denn da in Zukunft na an Schwarzarbeiter beschäftigen kinna?“, fragte er und hatte dabei großen Applaus bekommen. Die Stadtratslisten wurden von Weber ebenso akribisch unter die Lupe genommen, wobei er der CSU mit ihren kinoleinwandgroßen Plakaten bescheinigte, dass sie ganz vorne mitspielen wolle. Von Christoph Haase war da die Rede, der auf Biegen und Brechen in den Stadtrat einziehen wolle, oder vom CSU-Vorsitzenden Alexander Hannes, der diesen Wahlkampf nur bewältigen könne, weil er als Beamter wohl die nötige Ruhe als Ausgleich habe. Der laut Weber lieblos gestaltete Wahlflyer der SPD zeige von wenig Tatendrang: „Dass a Partei so wenig Lust af Kommunalpolitik hod, des gibds ja gar ned!“ Glimpflicher davongekommen waren die Freien Wähler, deren Internetpräsenz Daniel Weber besonders lobte, aber deren Listenreihung der Zwieseler dann doch kritisierte: „De ham halt auch wieder era allerjüngstes Gewächs ganz vorne dro do“, zog Weber als Fazit und freute sich, dass der angesprochene Hans-Peter Max ebenfalls anwesend war und sichtlich darüber lachen konnte. Die Grünen durften in Daniel Webers Predigt natürlich nicht fehlen. Respekt zollte er ihnen für ihr riesiges Plakat am Kreisel beim Verbrauchermarkt, schimpfte aber gleichzeitig: „Leider hamses ned gschafft, dass alle Kandidaten zum Fototermin erschienen wären.“ Heftig in Frage stellte der Fastenprediger auch, ob es nicht ehrlicher sei, den Träumen eines Freibades die finanzielle Situation der Stadt gegenüberzustellen, anstatt den Bau eines Freibades zu versprechen: „Natürlich wollma alle a Freibad, aber wir solltma lieber schauen, dassma unser Hallenbad ned zuasperrn müssen“, was laut Weber auch nur Dank der jahrelangen Stabilisierungshilfe „Hartz IV für Kommunen“ noch nicht passiert sei.
Die Stimmung im Eiskeller explodierte, als Weber sichtlich zornig und sehr grantig loslegte, über die geringe Wertschätzung des Ehrenamtes in Zwiesel herzuziehen: „Den Seniorenbeauftragen hod ma so lange getriezt, bis er nimma wollen hod. Der Friedhofsbeauftragte bekommt ned amal mehr an Termin beim Bürgermeister und des Engagement vom Stangl Karl und dem Kramheller Manfred, de teils mit ihrem eigenen Geld den Friedhof herrichten, wird mid Füßen getreten.“ Der Friedhof sei ja schon schöner als der Stadtpark, befand der Fastenprediger. Wenn die Stadtentwicklung so weitergehe, könne Zwiesel laut Weber bald folgendermaßen werben: „Kommen Sie zum Sterben nach Zwiesel. Wir haben den schönsten Friedhof und auch sonst ganz viel Ruhe!“
Als der Fastenprediger Daniel Weber am Ende seiner Rede angelangt war, ahnte niemand, dass das absolute Highlight des Abends noch bevorstünde. Weber trat neben das Rednerpult, sichtlich angespannt, und es herrschte Totenstille, als er begann, einen Liedtext zur Zwieseler Stadtratswahl mit kräftiger Singstimme vorzusingen. Stehende Ovationen und ausufernden Applaus erhielt der 28-Jährige für diesen musikalischen Kracher, in dem er die Zwieseler Wähler schlussendlich aufforderte: „Wählts gscheid, für Kasperln do hama koa Zeit!“

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